in einer hochspezialisierten
Leistungsgesellschaft klagen immer mehr Menschen über Stress
und beobachten bei sich die Gefahr des Ausbrennens. Im besonderen
gilt dies für Menschen, die sich im Beruf, aber auch in privaten
Bereichen über lange Zeit bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit
fordern. Relativ häufig betrifft es also gerade jene Menschen,
die in unserer Gesellschaft als sehr erfolgreich gelten. Weiters
trifft es häufig Personen, die entweder in helfenden Berufen
oder aber in ihren Beziehungen zu ihren Vorgesetzten oder Kollegen
bzw. PartnerInnen vorzugsweise die Gebenden
sind.
usgebrannt sein ist ein Zustand
körperlicher emotionaler und
geistiger Erschöpfung. Die Betroffenen entwickeln sehr
häufig negative Einstellungen zu sich selbst, zu ihrem
Beruf, zu anderen Menschen und zum Leben ganz allgemein.
Dementsprechend sind im Zuge des Ausbrennens Empfindungen
des Unglücks und der Unzufriedenheit und - in extremer
Form - in Verbindung mit der partiellen Unfähigkeit,
sich an der jeweiligen Umwelt zu erfreuen und sich mit ihr
auseinander zusetzen, charakterisch.
Ausgebrannt sein bedeutet demnach für den einzelnen teilweise
sehr ernste psychische und in der Folge auch physische Auswirkungen.
Menschen, die ausgebrannt sind, haben häufig eine sehr
negative Einstellung zu ihrer eigenen Berufstätigkeit,
ihre Anteilnahme und ihre Gefühle für die Menschen,
mit denen sie arbeiten, stumpfen ab, und sie verkehren in
zahlreichen Fällen mit großer Distanz und in Abneigung
bzw. Teilnahmslosigkeit. Neben der zweifellos reduzierten
Lebensqualität der Betroffenen erleiden aber auch die
Organisationen/Firmen dieser Menschen bedeutende Verluste
durch schlechtere Arbeitsleistungen, Unpünktlichkeit,
Fehlen am Arbeitsplatz, Motivationsmangel, ungünstiges
Arbeitsklima durch gestörte Beziehungen der Mitarbeiter,
usw.
Wie entdeckt man das "Burn-out" Syndrom? Alssehr wesentliche Komponente ist die körperliche
Erschöpfung zu nennen. Merkmale sind Energiemangel, chronische
Ermüdung, Schwäche, usw. Weitere Anzeichen sind
erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten,
häufige Kopfschmerzen, Übelkeit, Verspannungen,
Rückenschmerzen sowie die Veränderung der Eß-
und Trinkgewohnheiten.
Relativ häufig ist auch die paradoxe
Kombination von einerseits permanenter Ermüdung und
andererseits ausgeprägte Schlafschwierigkeiten.
Ein weiteres Symptom besteht in der emotionalen Erschöpfung.
Diese Menschen sind sehr leicht reizbar und nervös, sie
ertrinken häufig in Selbstmitleid und wünschen sich
nichts sehnlicher, als nur in Ruhe gelassen zu werden. Familienangehörige
bedeuten in der Regel keine Kraftquelle mehr, sondern nun
noch weitere Anforderungen. Als drittes Charakteristikum für
ausgebrannte Menschen ist deren geistige Erschöpfung
zu nennen. Die Betroffenen haben negative Einstellungen zu
sich Selbst, zu Arbeit und zum Leben im allgemeinen entwickelt.
Sie finden meist ihre Arbeit nicht mehr befriedigend und verlieren
häufig ihre Selbstachtung. Sie fühlen sich insgeheim
unzulänglich, minderwertig und ihren Aufgaben nicht mehr
gewachsen.
Menschen reagieren mit unterschiedlichen Symptombildern auf
das Ausbrennen. Schon gelegentlich oder vereinzelt auftretende
Symptome sollten also als ernstzunehmende Warnung dienen.
Nachdem der Lebensalltag einer Vielzahl von Menschen Stresssituationen
und Frustsituationserlebnisse nahezu zwingend einschließt,
ist es unumgänglich, individuelle Bewältigungsstrategien
und neue Möglichkeiten der Stressabfuhr zu entwickeln.
Ausgebrannt - was nun?
Ein wesentlicher erster Schritt besteht darin, ein persönliches
Belastungsinventar zu erstellen, aus dem die persönlichen
Einzelbelastungen erkennbar werden. Dabei wird häufig
deutlich, dass manche aufgrund unzureichender Lebensplanung
oder unrealistischer Lebensziele ihre persönlichen Prioritäten
falsch gesetzt haben.
Genauso wie Dystress bereitende
Umweltbedingungen das ausbrennen herbeiführen, können
andererseits positive Umweltbedingungen gegenteilige Auswirkungen
haben. In einer Umgebung, welche die Menschen zum persönlichen
Lernen anregt oder ihnen das Gefühl vermittelt, dass
ihre Arbeit sinnvoll ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit des
Ausbrennens, die Wahrscheinlichkeit des individuellen Wachstums
dagegen steigt stark an. Verschiedene Untersuchungen haben
zudem gezeigt, dass Menschen, die häufig stark ausgeprägte
Erfolgserlebnisse aufweisen können, sich selbst eher
optimistisch einschätzen und somit weniger Überdruss
entwickeln.
Ein Beispiel: Herr Bernd Fleißig konnte den
kleinen Gewerbebetrieb seines Vaters erfolgreich zu einem
Industriebetrieb ausbauen. Jetzt, wo er eigentlich das Ergebnis
seiner Arbeit genießen könnte, merkt er zunehmend,
dass ihm die Arbeit immer schwerer zufallen beginnt und ihn
die Misslichkeiten des betrieblichen Alltags immer gravierender
belasten. Heimlich bemerkt er für sich, dass er sich
sehr gerne vor Entscheidungen drückt. Er sitzt oft stundenlang
in seinem Büro vor zahllosen Unterlagen und stellt abends
für sich persönlich fest, dass er trotz großer
Tageshektik eigentlich kaum etwas "vom Tisch" gebracht
hat. Er merkt auch, dass es ihm zunehmend schwer fällt,
sich zu konzentrieren, da er relativ häufig über
Kopfschmerzen klagt und die Muskelschmerzen im Nacken- und
Schulterbereich an manchen Tagen sogar unerträglich werden.
Einen entscheidenden Erfolgsfaktor gegen die Gefahr des Ausbrennens
stellt zudem die Vielfalt einer Tätigkeit dar. Je weniger
Routinetätigkeit und je mehr Dynamik und Veränderung
des Lebensalltag bestimmen, desto weniger besteht die Gefahr
des Ausbrennens. Ein Lebensalltag, der immer wieder sogenannte
"Gipfelerlebnisse" enthält, ist ebenfalls risiko-minimierend.
Eine andere Alternative besteht
im vermehrten Anpassen an die Stresshaften
Elemente der eigenen Lebenssituationen und in einem vermehrten
Engagement in Richtung ausgleichender Aktivität. Gerade
hier stellen jedoch die Freizeitaktivitäten mancher Menschen
keineswegs einen Ausgleich dar. Sie klagen beispielsweise über
Leistungsdruck in ihrem beruflichem Alltag und setzen sich in
ihrer kargen Freizeit wiederum zahlreiche Termine und wählen
Leistungssportarten oder ähnliches.
Neben der Gefahr, die mit dem Ausbrennen eines Menschen einhergeht,
kann das Bewusstwerden dieses Umstandes auch einen sehr bedeutenden
Wachstumsprozess für den einzelnen einleiten. Es kann somit
den Beginn vertieften Verstehens und vermehrter Bewusstheit
des eigenen Lebens bzw. seiner Kostbarkeiten bedeuten.
Leider ist jedoch der einzelne aufgrund seiner veränderten
Wahrnehmungsfähigkeit und des "blinden" Flecks
kaum in der Lage, ohne Hilfe eines speziell geschulten Coaches
oder eines Psychotherapeuten aus der in der Regel letztlich
selbst gewählten eigenen "Sackgasse" herauszufinden.