Menschen, die ganz und gar in ihrem Beruf aufgehen, die Leistung über alles stellen, gelten für ihre Arbeitgeber als "Glücksgriff", aber auch als "Beziehungsmuffel", weil sie sich keine Zeit für Beziehungen nehmen. Tatsächlich aber scheint es gar nicht so weit her zu sein mit ihrer Leistungskraft. Einer, der für drei arbeitet (zeitmäßig), leistet nicht unbedingt so viel wie drei andere leisten würden.
So wie andere Leute Trost im Alkohol suchen, bietet Arbeit eine andere Form der Sucht an. Sie hilft, seelische Schmerzen zu lindern, Sorgen zu vergessen und gibt das Gefühl, wichtig zu sein.
Sie schützt vor dem Nachdenken und der Konfrontation mit sich selbst.
Für die meisten Menschen gibt es Phasen des Aufbaues und/oder des Umbruches, in denen sie sich mehr um den Beruf als um die Familie kümmern müssen oder wollen. Diese Phasen sind hier allerdings nicht gemeint, sondern Personen, die sich in die Arbeit flüchten.
Workaholics sind so - sie flüchten sich in die Arbeit. Harte Arbeit allein macht sie nicht zum Workaholic. Wenn jedoch Familie, Angehörige und Freunde Ihnen Vernachlässigung vorwerfen, weil Sie Ihre Arbeit dazu benutzen, vor sozialen Beziehungen und menschlicher Nähe zu fliehen, sollten Sie nachdenklich werden.
Workaholics arbeiten lieber alleine. Sie denken fast immer an ihre Arbeit, selbst in der spärlichen Freizeit. Diese Form der Sucht ist schwer zu erkennen, da sie als solche gar nicht wahrgenommen und aufgezeigt wird. Vielmehr ist sie in unserer Leistungsgesellschaft ein erstrebenswertes und anerkanntes Verhalten. Ein Workaholic gilt sogar als ein besonders wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft.
Workaholics reden daher auch ganz offen über ihre Arbeitswut, den vollen Terminkalender und die Leidenschaft (schafft Leiden) für ihren Beruf. Sie verschweigen dabei allerdings, oft weil sie es gar nicht erkennen, ihre Depressivität, Angstzustände und chronische Erschöpfung.
Ihre Arbeitswut trennt sie oft vom Rest der Welt. Sie ist der unbewusste Versuch, seelische Bedürfnisse zu befriedigen. Sie zerstört Familien und schadet langfristig der Gesundheit.
Berufliche Erfolgserlebnisse bewirken - ähnlich wie das Trinken beim Alkoholiker - einen Adrenalinausstoß, auf den ein Kater folgt.
Warnsignale, wie z. B. Kopfschmerz, hoher Blutdruck, Schlafstörungen und Leistungsabfall, werden häufig nicht beachtet und meist bis zum Zusammenbruch ignoriert.
Denken, Fühlen und Handeln von Workaholics
Dass Arbeitssucht vom heute bestehenden Leistungsdruck ausgeht, ist ein Mythos. Sie ist vorrangig ein psychologisches Problem und nur in geringem Maß ein soziologisches Thema.
Workaholics fühlen sich häufig minderwertig, unabhängig davon, was sie leisten. Sie setzen sich ständig neue, höhere Ziele. Ist ein Ziel erreicht, gibt dies nur kurzfristig Befriedigung, und ein neues Ziel muss angestrebt werden.
Sie verachten oft Menschen, die Humor haben, unbekümmert sind und ein gemäßigtes Tempo einschlagen. Nicht selten entwickeln sie Hassgefühle gegen Menschen, die ihrer Einschätzung nach zu wenig leisten, es sich also nach ihrer Auffassung bequem machen.
Workaholics sind meist Einzelkämpfer, wollen alles im Griff haben und denken, dass niemand so zuverlässig und perfekt ist wie sie selbst. Sie halten ihre Arbeitsweise für die beste und können schlecht delegieren. Es fällt ihnen schwer, jemand anderen das dafür nötige Vertrauen zu schenken.
Mitarbeiter oder "Zuarbeiter" entsprechen kaum jemals den hohen Erwartungen und haben es schwer, den Anforderungen gerecht zu werden. Disharmonie und sinkende Arbeitsmoral der Mitarbeiter oder Kollegen kann dadurch folgen, womit das ursprüngliche Misstrauen bestätigt und bekräftigt wird.
Workaholics werden von anderen bewundert und beneidet, sie übernehmen gerne Verantwortung und scheinen mit jeder Situation fertig zu werden. Oft aber trügt der Schein. Workaholics leiden an einer zwanghaften Störung, die Gefühle - von Wut bis Depressionen - maskiert. Das heißt, man kann sie als solche von außen nicht erkennen. Sie haben häufig ein geringes Selbstwertgefühl und Schwierigkeiten mit menschlicher Nähe.
Sie glauben und vertreten die Meinung, dass sie hauptsächlich bis ausschließlich zum Wohle der Familie, Firma oder Gesellschaft so schwer arbeiten. Ihre Motivation ist aber narzisstischer, als sie selbst denken. Sie brauchen das Gefühl zu glänzen und viel Anerkennung von außen.
Sie benutzen die Arbeit zur Identitätsfindung und streben nach Macht, in der Hoffnung Abstand zu ungelösten emotionalen Problemen zu finden und ihre Ängste zu lindern.
Workaholics geben vor, ihre Arbeit zu lieben. Tatsächlich aber brauchen sie ihre Arbeit, um vor zu großer Nähe zu flüchten und sich sicher zu fühlen. Sie bestimmen über ihre Arbeit ihren Wert - "viel Arbeit - viel Wert".
Arbeitssucht ist heute noch nicht sosehr als "echte Sucht" angesehen, auch weil sie angeblich keine physiologische Grundlage hat wie Drogen oder Essen. Dies aber ist falsch, weil sie den Betroffenen vom Adrenalinausstoß abhängig macht. Adrenalin ist ein Hormon, das der Körper unter Stress ausschüttet. Verspürt jemand diesen Ausstoß als ein Hochgefühl, muss er die Dosis steigern.
Workaholics erreichen dies z. B. durch das Setzen unrealistischer Ziele für sich oder die Mitarbeiter oder den Versuch, zu viele Arbeiten gleichzeitig zu erledigen. Der darauffolgende Adrenalinausstoß kann ein Hochgefühl erzeugen, allerdings nur für den Workaholic. Angehörige und Mitarbeiter reagieren darauf frustriert, verunsichert und verwirrt. Zu viel Adrenalin im Körper kann auch die Gesundheit schädigen, da dieses Hormon unter anderem den Köper daran hindert, das Blut von Cholesterin zu befreien.
Die gesellschaftliche Verharmlosung dieser Sucht lässt auch die Betroffenen selbst schwer erkennen und sich eingestehen, dass sie an einer Sucht leiden.
Unter Lob und Beifall für ihre unermüdlichen Einsatz gehen aber Ehen und Freundschaften kaputt und der Körper streikt, wenn alle Warnsignale überhört werden.
Workaholics sind nicht nur in einträglichen Berufen zu finden. Dieses Zwangsverhalten kann überall auftreten, wo es um Leistung geht - im Fitnessstudio, bei ehrenamtlichen Aufgaben, aber auch im Haushalt.
Diese Sucht tritt in vielen Formen auf
Workaholics streben mehr nach Quantität als nach Qualität. Sie trauen sich nicht kürzer zu treten aus Angst, als Versager abgestempelt zu werden. Sie fürchten, ihre "faule Seite" könne zum Vorschein kommen und sie würden dadurch ihren Schwung und Anerkennung verlieren.
Weniger aber, kann manchmal mehr sein. Ausgeglichene Mitarbeiter oder Chefs sind leistungsfähiger und produktiver. Sie leiden weniger unter Stress und behalten einen klareren Kopf.
Arbeitsucht kann nicht dadurch geheilt werden, indem einfach die Arbeitszeit verringert wird. Suchtprogramme verlangen Abstinenz, aber so wie ein Esssüchtiger nicht aufhören kann zu essen, kann ein Arbeitssüchtiger nicht aufhören zu arbeiten. Es geht hier um den zwanghaften Gedanken, immer und jederzeit Leistung erbringen bzw. aktiv sein zu müssen.
Mäßigung, verbunden mit Ausgewogenheit in anderen Lebensbereichen, die bislang zu kurz gekommen sind, wie Familie, Gesellschaft und Spiritualität, ist hier notwendig. Die Heilung erfordert Einsicht in die tieferen Ursachen.
Nicht jeder, der viel arbeitet, ist ein Workaholic. Echte Arbeitssüchtige arbeiten auch dann, wenn keine wirkliche Notwendigkeit erkennbar ist. Sie haben mehr Probleme mit dem Fühlen als mit dem Denken und sind sogenannte "Kopfmenschen". Sie sind Perfektionisten, die nicht delegieren können und haben häufig ein gestörtes Sozialverhalten.
Ihr Familienleben und ihre Beziehungen sind häufig schwer gestört, ohne dass sie es selbst wahrnehmen können.
Nicht selten entwickelt sich durch dieses Verhalten das Burn-out-Syndrom (ausgebrannt sein).
Ein Kind könnte nicht lange überleben, wenn es nicht versorgt werden würde, sowohl emotional als auch körperlich. Aber auch für erwachsene Menschen ist die Zugehörigkeit zu einem (oder mehreren) sozialen System(en) lebenswichtig. Soziale Systeme können Ausbrennen und Überdruss verursachen oder verhindern. Die Gruppe, der ein Mensch angehört, ist eines der wichtigsten Elemente des "Bodens unter seinen Füßen". Außer in der Familie, im Freundeskreis und im Gemeinwesen gehören die Menschen auch in ihren Berufen sozialen Systemen an. In jedem der Systeme, denen man angehört, stellen sich Anforderungen, die aus der in diesem System eingenommenen Rolle entstehen. Aus jedem dieser Systeme entstehen eine Reihe allgemeiner und eine Reihe bestimmter Arten von Belastungen und Belohnungen. Eine entscheidende Belohnung ist die mitmenschliche Unterstützung. Diese soziale Unterstützung ist eine wichtige Botschaft, die dem Empfänger das Gefühl vermittelt, dass er geachtet, geliebt, anerkannt, geschätzt und für einen wertvollen Menschen gehalten wird. Die gegenseitige Unterstützung durch Geben und Nehmen im täglichen Umgang mit anderen Menschen kann Stress wirkungsvoll abbauen. Soziale Unterstützung ist Schutz und Hilfe für Menschen in kritischen Lebensphasen und von großer Bedeutung für deren Bewältigung.
Genau darauf aber verzichten Workaholics, die ja meist Einzelkämpfer sind und ihre sozialen Systeme häufig nur mehr zur Aufrechterhaltung ihrer "Arbeitsstiles" missbrauchen. Die Folge ist unter anderem, dass sie diese Systeme damit zerstören, da ihnen offensichtlich nicht klar ist, welche Bedeutung sie haben.
Wenn Sie wissen wollen, welche Bedeutung Sie solchen Systemen beimessen, erstellen Sie sich eine Liste, in der Sie eintragen, wie viel Zeit Sie Ihren noch bestehenden sozialen Systemen wirklich widmen. Das, was Sie wirklich tun, ist entscheidend, nicht das, was Sie darüber denken.
Gesunde, nicht arbeitssüchtige Menschen sind nicht dazu bereit, sich selbst und ihre Familie der Arbeit zu opfern.
Mögliche Symptome der Arbeitssucht:
Körperlich: Kopfschmerzen, Erschöpfung, Allergien, Verdauungsbeschwerden, Magenschmerzen, Geschwüre, Stechen in der Brust, Kurzatmigkeit, Nervöse Tics, Benommenheit Stimmungsschwankungen Psychisch: Wutausbrüche, Unruhe, Schlafstörungen, Verspanntheit, Hyperaktivität, Reizbarkeit und Ungeduld, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Langeweile (von Euphorie bis Depression)
Überprüfen Sie selbst: Ist Ihre Arbeit oder Tätigkeit Ihre Droge?
Falls Sie die meisten oder alle Fragen eindeutig mit "trifft voll zu" beantworten müssen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie arbeitssüchtig sind, sehr groß.
Ich mache lieber alles selbst, anstatt um Hilfe zu bitten.
Ich werde rasch ungeduldig, wenn ich auf andere warten muss oder etwas zu lange dauert.
Ich bin gereizt, wenn ich mitten in der Arbeit unterbrochen werde.
Ich erledige mehrere Dinge auf einmal (z B.: Ich esse, notiere etwas und telefoniere).
Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich einmal nicht arbeite.
Ich bin mehr am Endergebnis meiner Arbeit interessiert, als an der Arbeit selbst.
Es geht mir nie schnell genug
Ich werde wütend, wenn andere nicht meinen hohen Anforderungen entsprechen.
Ich arbeite länger als die meisten anderen Menschen.
Ich bin mehr mit der Zukunft beschäftigt als mit dem Hier und Jetzt.
Ich opfere mehr Zeit und Energie für meine Arbeit als für meine Beziehungen und Hobbys.
Familientreffen, Geburts-, Jahres- und Feiertage bedeuten mir nicht viel.
Wenn ich nicht arbeite, fällt es mir schwer, mich zu entspannen.
Ich ärgere mich über den kleinsten Fehler, den ich mache.
Ich setze mich oft mit knappen Terminen unter Druck
Ich übernehme mehr Arbeit als ich verkrafte
Ich werde nervös, wenn ich eine Situation nicht im Griff habe